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Eurodisney - Paris - Rennes - "Mont
Saint Michel"
"Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erleben"
Dieses Zitat hat schon seit langer Zeit Gültigkeit,
lange bevor der Eisenbahnermusikverein Salzburg vom 08.05. - 13.05.2003 eine Reise
nach Frankreich unternahm. Dennoch - sie werden es in dem anschließenden Bericht
selbst feststellen können, haben wir viel erlebt.
Eisenbahner fahren mit der Eisenbahn - nach langen Reiseplanungen haben wir uns dafür
entschieden, vor allem auch wegen der Bequemlichkeit. Unsere Reise ging nämlich
ab München mit dem Liegewagen. Doch bevor wir überhaupt nach München
kamen, ging das große Organisieren am Salzburger Bahnhof an. Wir hatten als
symphonisches Blasorchester viel Gepäck: jede Menge Schlagzeug, diverse Tubas,
eine riesige Holzkiste mit flüssigen Lebensmitteln, sämtliche sonstigen
Instrumente (allerdings etwas leichter zu transportieren wie ausgewachsene Tubas
in Transportkoffern), Musikantenuniformen, Noten und natürlich das persönliche
Gepäck. So benötigten wir bereits in Salzburg einen bahnhofseigenen Gepäckkarren.
In München umsteigen - wer den Münchener Bahnhof kennt, weiß, dass
der Salzburger Zug alle 2 Stunden am Holzkirchener Bahnhof, einem Flügelbahnhof,
hält, von dem aus man 10 Minuten Fußweg zu den Hauptgleisen benötigt
- und damit alles etwas interessanter wurde, fing es gleich an zu schütten.
Dennoch lief alles glatt und in der halben Stunde Wartezeit konnten wir (mehr oder
weniger) gemütlich unser Gepäck verstauen und die Liegeplätze beziehen.
Liegewagen wären sehr gemütlich, wenn man darin schläft - die einen
mehr, die anderen weniger. Einige Musiker mit viel Ausdauer unterhielten uns natürlich
die ganze Nacht im Zug mit Polkas, Ländler und anderen diversen Stücken
- vielen Dank, ihr habt wirklich super gespielt (vielleicht einigen zu lange).
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Gut gelaunt kamen wir um 07.00 Uhr in Paris am Bahnhof an. Das anschließende
Frühstück wird vor allem dem französischen Garçon
in Erinnerung bleiben. Er wird sich denken, dass Österreicher ganz
schön gefräßig sind! Seine vorbereiteten lauwarmen Croissants
und pains au chocolat reichten bei weitem nicht aus, wir konnten ihn jedoch
davon überreden, die gleiche Menge nachzuliefern.
Anschließend holte uns ein deutscher Doppeldeckerbus mit Anhänger
(für unsere Instrumente) für die Frankreichtour ab. Sie werden
sich fragen, warum ich das deutsch so betone - dazu später näheres.
So starteten wir ins Eurodisney, unserem 1. Spieltermin, nachdem wir ca.
ein 3/4 Stunde auf unsere offizielle Begleitung gewartet hatten (ohne
diese darf man nicht hinter die Kulissen des Parks), konnten wir endlich hinein.
Es folgte das Anschauen unserer späteren Marschroute mit allen möglichen
Einweisungen und dann FREIZeit! Für die Mutigen öffneten sich
jetzt die Bahnen des Eurodisneys: Space Mountain (Abenteuer-Reise zum
Mond), Big Thunder Mountain (wildes Dampfross), Indiana Jones and the
temple of Peril (Fahrt mit einer Bergwerkslore) Star Tours (eine Raumschifffahrt),
usw. Auch für die nicht so Abenteuerlustigen gab es viel zu sehen.
Leider war die Zeit viel zu kurz - wir hatten nur ca. 4 Stunden bis zu
unserem Einsatz. Hier ein Tipp: Sollten sie Eurodisney mal besuchen, nutzen
Sie den Fastpass - mit diesem kann man sich viel Wartezeit ersparen (teilweise
60 Minuten), man kann dann zu einem bestimmten Zeitpunkt direkt ohne langes
Anstellen in die Bahnen hinein.
Pünktlich um 14.45 standen wir am Bus: schnelles Umziehen, Instrumente herrichten,
kurze Marschprobe (damit auch alles perfekt funktioniert). Jetzt kam der große
Auftritt - Marschparade vor der Parade der Mickeymouse-Figuren. Wir hatten eine halbe
Stunde zu spielen und dabei auf der "Main Street" des Parks zu marschieren.
Durch ein mit Zauberhand geöffnetes
Tor ging es hinein und danach wieder raus - alles perfekt durchorganisiert.
Als wir zu dem Tor dann draußen waren, wollten wir auf der Stelle
umdrehen, um die Parade anzuschauen - doch das war nicht so einfach. "Sie
können nicht mit der Uniform hinein, sie lenken von der Parade ab".
So konnten nur die ca. 20 Begleitpersonen zurück, wir fuhren mit
dem Disney-Shuttle-Bus zu unserem Bus. Hüte weg, Jacken raus - doch
nun ging es wieder los: "Der Bus muss hier wegfahren. Sie dürfen
nur am Haupteingang und mit Eintrittskarten das Disneyland wieder betreten.
Alle Diskussionen halfen nichts und während wir mit dem Bus um das
Gelände außen herumfuhren, war die Marschparade natürlich
vorbei. Das Schlimmere stand uns jetzt aber noch bevor: Ein Teil unserer
Leute war schließlich im Eurodisney und wusste nicht, wo sie uns
Musiker suchen sollten. Wir starteten ein Suchaktion, die dank Handys
gut ausging (der Eurodisney besitzt nämlich kein zentrales Informationssystem
für den gesamten Park). Leider verloren wir viel Zeit, wir wollten
doch noch Paris sehen.

Jetzt hatten wir nur noch 1 1/2 Stunden für die Stadtrundfahrt. Dank
unseres sehr engagierten Fahrers Ralf konnten wir das Wichtigste anschauen
- und sogar vor dem Eiffelturm noch ein Gesamtfoto machen (Leider kein
komplettes - 2 Musiker machten sich auf den Weg, leider erfolglos, die
im Zug liegengelassenen Gegenstände wieder zu bekommen) Dann ab in
die Jugendherberge - die warteten schon auf uns und sperrten extra für
unser Abendessen die Küche noch mal auf. Nach einer ordentlichen
Mahlzeit bezogen wir die Zimmer und gingen noch mal auf Tour. Da die Jugendherberge
außerhalb von Paris liegt, blieb nur die Kneipe um die Ecke oder
mit der U-Bahn nach Paris zu fahren. Straßenmusikanten am Notre
Dame, viele Leute und die Kneipen im Studenten Viertel lockten uns natürlich.
Allerdings war das für die Liebhaber des Gerstensaftes ein teures
Vergnügen: ein Viertel Liter Bier kostete 4,50 EUR, die gleich Menge
Wein nur 3,20 EUR inkl. Nachtzuschlag (denn ab 22.00 Uhr sind hier 0,50
EUR fällig).
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Am nächsten Morgen starteten
wir dann Richtung Rennes, unserem eigentlichen Ziel, zum 100. Geburtstag
der dortigen Eisenbahnermusik. Nach 350 km Fahrstrecke, konnten wir um
ca. 13.00 Uhr die SNCF-Kantine in Rennes erreichen (Sie stellen richtig
fest, dass man als Eisenbahner nicht verhungert). Das Mittagessen war
sehr vorzüglich, wir ließen es uns so richtig munden. Eigentlich
hätten wir um 15.00 Uhr schon unseren nächsten Termin gehabt - doch
da kennt man die Franzosen schlecht. "Dann spielt ihr halt etwas
später" - ein richtiger Franzose kennt keinen Terminzwang. So
konnten wir nun zuerst unsere Zimmer beziehen. Anschließend ging
es auf zu unserem nächsten Spieltermin - ein Marsch durch die wunderschöne
Altstadt von Rennes.
Leider hat man beim Spielen so wenig Zeit zum anschauen - und unser Stabführer
Gregor ging mit uns über Stock und Stein (und viele Kurven noch dazu).
Manch ein Kollege musste aufpassen, dass er die im Weg stehenden Bäume
oder kniehohe Stempen nicht umrannte (Marschieren und Musizieren miteinander
erfordert gerade bei schwierigen Strecken sehr große Konzentration,
da passiert es schon mal, dass man einen kleineren Baum übersieht).
Die Begeisterung in der Stadt war so groß, dass wir am nächsten
Tag gleich in der örtlichen Presse zu bewundern waren. Wir hatten
leider nur kurz Zeit, die netten kleinen Geschäfte anzuschauen -
schade (und da der nächste Tag Sonntag war, gab es auch keine weitere
Gelegenheit).
Wir fuhren zurück ins Hotel, um uns für das Abendessen und unseren Abendspieltermin
fertig zu machen. Der Abend wurde im Kulturzentrum "Triangel"
von Rennes, einem Konzertsaal von mehreren Eisenbahnervereinen, gestaltet. Als erstes
spielte ein Akkordeonorchester, dann die örtliche Musik. Anschießend das Auswahlorchester der SNCF aus Paris und
last but not least, wir. Bis zu unserem Spieltermin, der dann um Mitternacht endlich
stattfand, war es ganz schön lang. Mit unserem Programm brauchten wir uns nicht
zu verstecken, ein buntes Programm erwartete unsere Zuhörer:
Morgenblätterwalzer, Florentiner Marsch, Springtanz (aus: die verkauften
Braut), ÖBB-Fanfare und "Ich lade gern mir Gäste ein"
(mit Gesang) und als Zugabe den Radezky- Marsch. An dem anschließend
organisierten Umtrunk konnten wir leider nicht mehr teilnehmen, da unser
Busfahrer ins Hotel wollte, um seine vorgeschriebenen Ruhezeiten einzuhalten.
So feierten wir halt in unserem Hotel mit in Rennes gekauftem Rotwein,
Schwarzwälder "Tannenzäpfchen- Bier" vom Busfahrer
und verschiedenen Spielen bis früh in den Morgen.{mospagebreak}
Apropos
Morgen - gleich in der Früh ging es weiter mit der Gestaltung eines Gottesdienstes
in der Kathedrale von Rennes. Wir waren Dank eines guten, starken Kaffees, dann doch
relativ fit. Mit Werken von Händel (Amen aus Messias, Marché), Mozart
(Ave Verum) und Bach (Choral Variationen) ließen wir die heiligen Hallen erstrahlen.
Anschließend ging es gleich weiter zur Festhalle, der örtlichen
Markthalle, die für diesen Tag hergerichtet war. Es erwartete uns
ein, für ein Bierfest typisches, Mittagessen: Schlachtplatte mit
Sauerkraut - und das mitten in Frankreich. Allerdings, wie in Frankreich
üblich, mit Vor- und Nachspeisen umrahmt. Wir hatten jetzt auch Zeit
für einen Stadtrundgang unter Führung von Renate, einer Deutschen,
die vor 40 Jahren nach Rennes geheiratete hatte. So konnten wir uns die
Entwicklung von Rennes im örtlichen Museum (einer alten Kirche) anschauen,
den Platz, an dem die Revolution begann und die urigen schiefen Holzhäuser,
die typisch für die Gegend sind. Die, die kein Interesse an der Führung
hatten, blieben im Bierzelt und testeten die hervorragenden französischen
Weine.
Um ca. 16.00 Uhr spielten wir noch mal in der Festhalle. Diesmal war das Programm
aufgeteilt in traditionelle
Märsche und moderner Blasmusik (z.B. Abba Gold oder Lion King). Trotz der ausgiebigen
Weinverkostung mancher Musiker spielten wir ein gutes Konzert (mit Ausnahme einiger
Austretpausen einzelner Musiker).
Zurück im Hotel hatten wir Zeit zum
Duschen und Ausruhen, bevor um 20.00 Uhr das gemeinsame Abendessen mit den Franzosen
stattfand. Das war diesmal zum Glück "gleich um die Ecke", so waren
wir unabhängig von jeglichen Verkehrsmitteln. Am Buffet fanden wir verschiedene
französische kalte Spezialitäten, vor allem die bekannten Pasteten. Anschließen
spielte wieder unsere kleine Partie (Ziach, Klarinette, Tuba, Posaune und Flügelhorn)
für uns auf. Auf dem Weg zurück ins Hotel ging die Diskussion los, da wir
erfahren hatten, dass die französische Eisenbahn streikte. Mitten in der Nacht
wurden alle Hebel in Bewegung gesetzt, um herauszufinden, welche Möglichkeiten
wir für die Rückreise hatten. Leider konnten wir nicht viel erreichen,
bis auf die Gewissheit, dass unser Zug tatsächlich ausfiel.
Am nächsten Morgen stand ein
Ausflug zum "Mont Saint Michel" auf dem Programm. Hierbei handelt
es sich um ein altes Kloster, das im 14. Jahrhundert und danach bis zu
seiner heutigen Größe wuchs. Bei Flut ist dieses Gebäude
komplett von Wasser umgeben. Jetzt war mal wieder die Kondition gefragt
(wir haben durch das Marschieren genug) - Treppauf und Treppab um den
ganzen Komplex zu erkunden und die alten Gemäuer, Kreuzgänge,
Kapellen anzuschauen.
Zurück im Bus stand fest, dass wir mit diesem - statt mit dem Zug - bis nach
München fahren durften. Jetzt waren wir heilfroh, dass es ein deutscher Unternehmer
war; wir konnten alles regeln, hatten keine Verständigungsschwierigkeiten und
kamen von den Kosten her besser weg (zu diesem Zeitpunkt wussten wir noch nicht,
ob die Rückerstattung der Tickets möglich ist - es war allerdings wirklich
problemlos). Nach einem landestypischen, mehrgängigen Mittagessen (Fisch, Lamm,
Käse, Tarte des pommes) machten wir uns auf den weiten Heimweg. In Paris trafen
wir auf einen zweiten Fahrer, damit wir pünktlich um 09.30 Uhr in München
am Hauptbahnhof waren. Uns Musiker störte der Bus - zumindest beim Feiern -
nicht, auch wenn er nicht so gemütlich wie der Zug war. Nach 18 Stunden Fahrt
kamen wir dann pünktlich und sicher in München an, um den Rest der Strecke
im Zug nach Salzburg zurückzulegen. Da wir Eisenbahner sind, durften 3 Mädels
in der neuesten Lok der ÖBB, der "Taurus" 1016, mitfahren. Der Lokführer
ließ sich von unseren 1000 Fragen nicht ablenken, und wir kamen fast pünktlich
in Salzburg an. Jetzt mussten wir unser ganzes Gepäck wieder ausladen (und zwar
schnell, denn der EC wollte weiter nach Wien). Alle Musikinstrumente und Zubehör
wurde ruck-zuck auf den Bahnsteig befördert - nur der Koffer und die Aktentasche
von unserem Obmann, die wollten partout noch bis nach Wien reisen und was erleben.
Gottlob sind alle liegen gelassenen Teile wieder in Salzburg zurück und alle
Musiker heil, aber müde von der erlebnisreichen Fahrt, zurückgekehrt.
Wenn Sie mit dem Eisenbahner-Musikverein auch etwas erleben wollen, laden wir Sie
gerne ein: Als Nichtmusiker unsere Musik in einem Konzert (z.B. im Mirabellgarten)
zu erleben. Oder als Musiker montags (um 19.00 Uhr ist Probe) in der Elisabethstraße
Nr. 34 - wir freuen uns auf interessierte Kollegen und Kolleginnen.
Steffi Freißler
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